Radfahrer in Stadtbergen - als Kriminelle gekennzeichnet

Veröffentlicht am 04.08.2019 in Allgemein

Mir ist es mit Lesen des Artikels von Herrn Schaller in der Augsburger Allgemeinen aufgefallen, dass ich als aktiver Radfahrer in die kriminielle Kategorie falle. Ganz klar fahre ich bei gefährlichen Situationen auf dem Radweg, die Kreuzung an Bauernstraße / Hagenmähderstraße ist für die Radler eine Katastrophe, auf dem Radweg in den Kreisverkehr in der Hagenmähderstraße ist super gefährlich. Und dann werde ich auch noch verwarnt, weil ich als Verkehrsteilnehmer mein Leben retten will.

Zu dem Sachverhalt erreichte uns ein umfangreicher Leserbrief von Dr. Ernst Kundinger, absolut lesenswert!

Leserbrief zu: Stadtbergen zeigt Radel-Rowdys die rote Kelle

Augsburger Allgemeine vom 26.07.2019, Teil Augsburger Land

Verfasser: Dr. Ernst Kundinger, Alemannenweg 1, 86391 Stadtbergen

Datum 30.07.2019

Mit dem Artikel baut die Augsburger Allgemeine ein suggestives Schreckensszenario und ein klares Feindbild auf. Es geht mehr um Emotionen als um Fakten: Radfahrer im Straßenverkehr gefährden andere Verkehrsteilnehmer! Dass eine 79-jährige Frau bedauerlicherweise mit ihrem E-Bike verunglückt und an den Folgen gestorben ist, hat mit Stadtbergen nichts zu tun, sondern ist eher ein Hinweis darauf, wie der freie Markt funktioniert: Eine Fahrradindustrie bietet jedermann ihre Produkte an, aber weder die Hersteller noch die Politik tragen Sorge dafür, das Gefahrenpotential z.B. durch entsprechende Qualifikation der Nutzer zu verringern.

Den pauschalen Aussagen der Polizei zu Verstößen kann man ohne Kenntnis der Umstände wenig entgegenhalten, ebenso wenig der diffusen Meldung „zahlreicher Beschwerden über Radler“. Da muss man froh sein, dass die falsch parkenden Autos nicht auch noch den Radfahrern angelastet werden. Wo man Beispiele konkreten Fehlverhaltens erwartet, bleibt der Artikel dünn. Dafür ist dann die Drohung an Fahrradfahrer, die sich dem Ordnungsamt nicht fügen, umso umfangreicher und deutlicher. Um wessen Gunst buhlt da der Autor?

Einer „allgemein schwindenden Verkehrsmoral“ möchte der Leiter des Ordnungsamts entgegentreten und hat dabei besonders die Fahrradfahrer im Blick. Warum nicht die PKW-Fahrer und Kurierdienste, die gedankenlos durch verkehrsberuhigte Zonen rauschen, ohne dass Herr Voh oder das Ordnungsamt dies wirksam unterbinden können oder wollen? Sind diese Gegner zu mächtig?

Die Probleme liegen auch woanders: Augsburger Allgemeine, Tagesschau und andere Medien berichteten am 9.07.2019, dass 445 Radfahrer 2018 auf Deutschlands Straßen starben - ein deutlicher Anstieg zum Jahr zuvor.“ Wer Radfahrern keine sicheren Wege zur Verfügung stellt, gefährdet sie. Die Verkehrsbehörde sollte darüber nachdenken, warum Fahrradfahrer den Fußweg benutzen. Liegt es vielleicht am Mangel sicherer Fahrradwege und am verständlichen Wunsch, sich nicht von schnell und knapp vorbeifahrenden Autos gefährden zu lassen?

Stadtbergen bietet gerade auf seinen Hauptverkehrsachsen und dort vor allem in den Kreuzungsbereichen Radfahrern wenig Raum und Sicherheit. Fahrradwege befinden sich vor allem in den Außenbereichen, wo eine Aufwertung des Radverkehrs dem Autoverkehr keine Einschränkungen abverlangt.

Fahrradfahrer sind nicht die Ursache der neuen Unübersichtlichkeit, sondern leiden darunter: Sie müssen sich den Fahrradweg gerade in Stadtbergen oft mit Fußgängern teilen. Der Boom der E-Bikers erhöht die Zahl der schnellfahrenden Radler, und nun kommen auch noch die z.B. von der Stadt Augsburg finanziell unterstützten Lastfahrräder und Elektroroller dazu. Das Fahrradfahren zu fördern ist angesichts der wachsenden Umwelt und Verkehrsprobleme nur zu wünschen. Wenn die Infrastruktur aber nicht mitwächst, wird es für Fahrradfahrer enger, zu eng.

Statt sich als großer Vereinfacher der Verkehrspolitik zu gerieren - Fußgänger gehören auf den Gehweg, Radfahrer auf den Radweg und Autos auf die Fahrbahn -, sollte Herr Voh eingestehen, dass die Verkehrspolitik in Stadtbergen Radfahrer und Fußgänger vielfach auf eine gemeinsame Fahrbahn zwingt und in vielen anderen Straßen die Radfahrer auf die Fahrbahn. Statt Bußgelder gegen unbotmäßige Radfahrer zu verhängen, sollte Ordnungsreferent mit dem Stadtrat eher überlegen, wie sich der Fahrradverkehr in Stadtbergen attraktiver gestalten lässt, damit mehr Autofahrer aufs Rad umsteigen und damit den Straßenverkehr entlasten. Beispiele für Verbesserungen gibt es genug: Auch in Stadtbergen verwahrlosen die Radwege durch fehlende Instandhaltung. Der kombinierte Rad- und Fußweg von Stadtbergen nach Leitershofen ist ein Flickenteppich an Unebenheiten - Bodenwellen, Senkungen, Ausbrüche im Belag, nicht angeglichene Bordsteinkanten. Man kann den jetzigen Zustand als Sachbeschädigung und Körperverletzung empfinden. Ein besonders gravierendes Beispiel gedankenloser Verkehrsplanung: Die Bismarckstraße hat keinen Fahrradweg, dafür dürfen aber Autos in Teilbereichen neben den Straßenbahngleisen parken. Fahrradfahrer müssen sich dort in den fließenden Verkehr einfädeln oder stehen zusammen mit den Autos im Stau vor den Ampeln. Es ist nur zu verständlich, wenn Radfahrer auf dem sichereren Gehsteig Zuflucht suchen. Am Kreisverkehr der Hagenmähderstraße in Richtung Ackermannstraße werden Radfahrer qua Gebotsschild auf den Gehweg gezwungen. Dafür dürfen sie dann beim Überqueren der in den Kreisverkehr einmündenden Straßen vor den aus dem Kreisverkehr aus- und in ihn einfahrenden Autos anhalten – Bremsen und wieder Anfahren macht mit dem Fahrrad ja so viel Spaß! In der Gegenrichtung geht es ja auch ohne Zwangsvereinigung mit den Fußgängern. Zwischen Kreisverkehr und Bismarckstraße gibt es keinen Radweg, dafür am Straßenrand durchgehend parkende Autos. Radwege enden in Stadtbergen häufig dort, wo es für Fahrradfahrer kritisch wird: In Stadtbergen vor der Unterführung der Panzerstraße unter der B17, vor der Kreuzung Hagenmähder-/Ackermannstraße, und im Ortskern vor dem Rathaus, in der Bauernstraße und in der Deuringer Straße. Im Nestackerweg fehlen Fahrradstreifen: Dafür zwingen an der Mauer zum Sheridan-Gelände abgestellte LKWs die Radler, fast in die Straßenmitte auszuweichen. In der entgegengesetzten Richtung wird gegenüber dem Rewe-Center die Fahrbahn zunehmend durch parkende PKWs der neuen Anwohner zugeparkt. Die Situation in der Augsburger Straße in Leitershofen ist verwirrend: Aus Augsburg kommend hört der Radweg im Bereich der Wohnbebauung unvermittelt auf, in Richtung Augsburg ist die Benutzung des Gehsteigs für Radler teilweise gestattet. Auch im restlichen Leitershofen gibt es kaum Radwege. Der Rad-/Fußweg in der Panzerstraße ist ohne Beleuchtung. Nachts wird man als Fahrradfahrer in absoluter Finsternis von entgegenkommenden Autos geblendet und hat keine Chance Fußgänger zu erkennen.

Selbstverständlich muss man Radfahrer zu ihrer eigenen Sicherheit nachdrücklich dazu bringen, nachts mit Licht zu fahren. Und das Verhalten der Verkehrsteilnehmer zueinander sollte von Rücksichtnahme und vorausschauender Aufmerksamkeit geprägt sein. Da ist Überzeugungsarbeit hilfreicher als die rigide Durchsetzung von gesetzlichen Regel per Strafmandat. Vielleicht setzt sich das Ordnungsamt Stadtbergen ja mal mit den Betroffenen oder dem Fahrradbeauftragten oder dem ADFC an einen „Runden Tisch“, um Lösungen zu finden.

 
 

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