SPD setzt auf wohnortnahe Gemeinschaftsschulen im Landkreis

Bildung


Mittelschulen werden Hauptschulsterben nicht aufhalten
Allerorten liest man derzeit Lobeshymnen auf die neuen Mittelschulen. Allen voran die Bayerische Staatsregierung ist überzeugt von ihrem System. Zu den Kritikern zählt die SPD. Die Landtagsabgeordnete und Kreisrätin Dr. Simone Strohmayr ist sich sicher, dass die Mittelschulen in Bayern die Hauptschulen nicht retten werden. „Die Eltern wollen bessere Bildung für ihre Kinder, das Hauptschulsterben wird weitergehen“, prophe-zeit sie. Doch außer Kritik hat die Bayern-SPD auch eine Alternative: Ge-meinschaftsschulen. Diese stellte Martin Güll, Mitglied des Bildungsaus-schusses im Bayerischen Landtag, kürzlich in Diedorf vor.

„Wenn wir nur an der Hauptschule herumdoktern, werden wir keinen Schritt weiterkommen“, glaubt der 57-Jährige. Ein komplett neues Denken fordert er und dass das gar nicht so einfach ist, bekamen die Zuhörer schnell zu spüren. Alle seien zu sehr im bisherigen System verhaftet und den Kopf freimachen für neue Denkweisen sei schwierig, kommentierte im Anschluss der Kreisvorsitzende Roland Mair.

Die Eckpunkte:

Eine Gemeinschaftsschule wird von Eltern nur dann akzeptiert, wenn auch das Abitur dort gemacht werden kann. Die Sicherung des sozialen Status der Familie hängt direkt mit der Schulwahl zusammen. Wer seinen sozia-len Status halten möchte, braucht heute einen höheren Abschluss, als ihn noch die Eltern hatten. „Dies ist die einfache Erklärung dafür, dass bisher alle Versuche fehlgeschlagen sind, die Hauptschule zu verbessern und auch die Mittelschule wird dies nicht schaffen“, sagt Güll, der selbst über 30 Jahre als Hauptschullehrer gearbeitet hat. Die Mittlere Reife muss eine „echte“ Mittlere Reife sein. Nicht die Mogelpackung über den M-Zug, M-Kurs oder ähnliche Abschlüsse, das reiche weder den Eltern noch den Un-ternehmen.

Die kleinen, wohnortnahen Schulen müssen erhalten bleiben. Das sei zu schaffen, denn eine gut funktionierende Gemeinschaftsschule sei ab rund 200 Schülern im gesamten Jahrgang einer Gemeinde oder Stadt möglich – das schaffen auch kleine Kommunen. Und auf Nachfrage der stellvertretenden Kreisvorsitzenden Annette Luckner bestätigte Güll, dass auch ein Modell für zwei benachbarte Standorte entwickelt werde. Dann könnten nach der Grundschulzeit am jeweiligen Wohnort die Klassen 5 bis 7 in der einen, die Klassen 8 bis 10 in der anderen Kommune zur Schule gehen.

Die Gemeinschaftsschulen müssen von allen Seiten, Lehrern, Schülern und Eltern, akzeptiert werden, sie dürfen nicht wie die Mittelschulen von der Regierung angeordnet werden. Wenn die Eltern die Wahlfreiheit unter Schultypen haben und die Vorteile der Gemeinschaftsschulen erkennen, werden sie sich dafür entscheiden, sind sich die bayerischen Sozialdemo-kraten sicher.

Gemeinschaftsschulen werden von der 1. bis zur 10. Klasse gemeinsam unterrichtet, mit der Orientierung am höchstmöglichen Angebot als Standard (Gymnasium), denn „abspecken kann man immer“, so Güll und auch Hauptschüler seien in manchen Bereichen oft sehr begabt, doch dies könne heute nirgends berücksichtigt werden. Individuelle Förderung, ab der 7. Klasse zusätzliche Angebote im Hinblick auf den angestrebten Ab-schluss, die Möglichkeit nach 12 oder 13 Jahren Abitur zu machen, aber all das nur im Ganztagsangebot, darauf wies der Landtagsabgeordnete deutlich hin: „ Alle Schüler müssen die Schule mit Abschluss verlassen“.

„Wir haben einen langen Weg vor uns, werden unsere Vorstellungen testen, weiterentwickeln und werden am Schluss alle, Eltern, Lehrer und Schüler, davon überzeugen können, dass die Gemeinschaftsschulen der richtige Weg sind, denn Bildung ist Politik schlechthin, ohne Bildung funk-tioniert nichts“, ist Martin Güll überzeugt. Er und die Bayern-SPD werden noch viele Landkreise und Ortsvereine besuchen, um ihr Konzept vorzu-stellen. Von heute auf morgen lässt es sich nicht verwirklichen, aber in einem Flächenstaat wie Bayern muss die Schule „im Dorf“ bleiben können und alle Kinder müssen nach ihren Fähigkeiten gefördert werden. Das kann die Gemeinschaftsschule schaffen.

 
 

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